Macher und Sozialarbeiter
In Winterthur wird dieses Jahr eine neue Schule starten. Es ist ein Privatgymnasium der SalZH. Die sogenannte „Schulalternative Zürich“ setzt auf christliche Werte und Eigenverantwortung. David Schneider ist ihr ambitionierter Gründer.

“Wenn du erkennst, dass du nur wenig weißt, wirst du neugierig.”
Schneider ist eigentlich Physiker und stammt aus einer Akademikerfamilie. Die Lebensläufe seines Vaters und seiner Geschwister und von ihm zeugen von Laufbahnen an Universitäten und oder der ETH. Was Schneider nicht sagt, ist, dass ihn ausgerechnet die Physik auf den Glauben an Christus gebracht habe. „Denn“, und das sagt er jetzt, „wenn du erkennst, dass du so wenig weißt, dann wirst du neugierig.“ Grundsätzlich sei die Wissenschaft aber etwas Demütiges, verteidigt er sie.
Schneider hat einen wachen Verstand. Das zeigt auch seine Vergangenheit. Als Gründer des „Läbesruum“ in Winterthur, der heute rund 40 Taglöhnern eine Arbeit anbietet, geht ihm Initiative und Engagement als Christ über alles. „Es geht mir darum, dass Christen ihren Beitrag leisten und Menschen zum Zug kommen.“ Dann fiel ihm auf, dass es im Bildungsbreich wenige Angebote gab. Es sei wichtig, so Schneider, dass im Bildungsbereich die christlichen Werte nicht verloren gehen. Als ausgebildeter Sekundarlehrer- diese Ausbildung hängte er ans Studium-, wollte er eine Privatschule etablieren, die den Kindern Werte vermittelt und die berufstätigen Eltern auf gute Weise entlastet. Er startete die SalZH, Schulalternative Zürich.
Mit 14 Kindern hat seine Frau, auch eine Lehrerin, in einem Zimmer in Winterthur Seen begonnen, Schneider arbeitete damals noch in der Stiftung Schleife. Schnell wuchs die Zahl der Kinder.
Die meisten Eltern, die ihre Kinder anfangs angemeldet hatten, waren christlich orientiert. Rund ein Drittel davon waren aber auch Eltern mit Organisationsproblemen ohne christlichen Hintergrund. Schneider weiss, dass es eine gute Mischung ist. Der Querdenker ist beweglich. Er warf den evanglikalen Wortschatz über Board und stellte christliche Lehrer ein, die alle eine „religiöse Reinigung“ durchmachten. Will heissen, dass frommes Getue und frömmlerische Floskeln hochkant verabschiedet wurden. „Es muss für alle nachvollziehbar sein, was man in der Öffentlichkeit tut,“ so Schneider ernst. Diese Reinigung hat allen gut getan. Ausserdem muss man mit Kindern authentisch sein, sonst habe man gleich verspielt, meint der Seklehrer.
Dabei hatte alles ganz anders begonnen. Der Mann, der während des Studiums die Alkoholiker und Prostituierten im Zürcherischen Niederdorf beobachtet hatte und deshalb Zweifel an seinem Physikstudium bekam, entschloss sich, eine Schreinerei mit Drogenabhängigen aufzubauen. Er schmiss sein Studium kurz vor dem Master -Abschluss und schlug einen sozialen Weg ein.
Schneider meint, dass man sich als Christ gut in dieser Welt bewegen könne, und schreibt sich eine gewisse Denkweite zu. Weltfremd ist er jedenfalls nicht.
Der Visionär, der nie daran denkt, sich selber zu beweihräuchern, sondern lieber arbeitet, hat in seiner Schule vier Begriffe für „Christlich“ eingeführt: Leben; Persönlichkeit; Beziehung; Verantwortung.
Auch als engagierter FDP Politiker nimmt Schneider seine Verantwortung wahr. Er wurde im März erfolgreich in den Winterthurer Gemeinderat gewählt. Schneider ist überzeugt, dass er innerhalb der Freisinnigen viel mehr bewegen kann als bei einer sozialen Partei. Manchmal liebäugelt er mit der SVP, sie ist ihm dann aber doch zu rabiat.
Den ewigen Vorurteilen gegen Christen ist Schneider jedenfalls schon längst überdrüssig. Er erbringt den Beweis; seine Schule hat mittlerweile 30 Vollzeitstellen, 200 Schüler, 70 Kinder in der Tagsstätte und einen Umsatz von 3,6 Millionen Franken. Der anfängliche Gegenwind des Winterthurer Regierungsrates ist merklich milder geworden. Denken, Entwickeln, Projekte umsetzten; das ist die Welt von David Schneider. Im Sommer beginnt die neuste Idee. Ein Gymnasium für Schüler aus der ganzen Schweiz. Hier beweist Schneider erneut Neugierde und Beweglichkeit. Die Alterslimite der Schüler ist noch nicht festgelegt. „Wir sehen mal, was sich ergibt.“
Juli 2010



