Suppe, Seife und Seelenheil in Winterthur

 

Wer behauptet, die Heilsarmee sei eine altmodische Organisation, liegt falsch. Frauen und Männer sind in der Heilsarmee seit 1865 gleichberechtigt. Daniel Imboden, Gemeindeleiter und Heilsarmeeoffizier aus Winterthur verrät aber noch andere Geheimnisse.

Daniel Imboden, Offizier der Heilsarmee in Winterthur, ohne Uniform. Er mag bequeme Kleidung.


William Booth war eigentlich ein Methodistenprediger. Der Mann, der 1865 die Heilsarmee in England gründete, wollte eigentlich nur Alkoholkranke und Obdachlose in die Kirche einladen. Dort stiess er mit seiner genialen Idee aber auf Widerstand. Die Oberschicht weigerte sich, die Kirchenbänke mit Menschen von der Strasse zu teilen. Booth fackelte deshalb nicht lange. Er gründete die Heilsarmee, weil er gegen das Böse in dieser Welt mit einer Armee ankämpfen wollte. Sein Motto war Suppe, Seife, Seelenheil. Booth begann deshalb für die Obdachlosen Suppe zu kochen und Seife abzugeben, bevor er sie in seine Kirche einlud. Das Motto/der Slogan „Soupe, Savon, Salut“ gilt auch heute noch in der Heilsarmee und hat ihr nicht wenig Freunde und Bewunderer eingebracht. Tatsache ist, dass die Heilsarmee eines der meist geachteten christlichen Werke der Welt ist. „Wir geniessen einen guten Ruf in der Stadt und pflegen wertvolle Beziehungen zu Behörden“, weiss Daniel Imboden. Dies nicht zuletzt dank der Arbeit des Wohnheims und der Anlaufstelle C.A.S.A., wo Bedürftige unkompliziert Hilfe finden. Nicht einmal die Medien lassen etwas auf das Werk kommen, obwohl die Zeit im Werk wohl manchmal etwas stehengeblieben ist (von aussen betrachtet).

Erstaunlich ist umso mehr, dass Frauen in der Heilsarmee von Anfang an gleichberechtigt waren. Daniel Imboden, Leiter der Heilsarmee in Winterthur, erzählt dies mit Stolz. Der Heilsarmeeoffizier ist mit einer Heilsarmeeoffizierin verheiratet. Die beiden haben die theologische Ausbildung an der Offizierschule in Basel gemeinsam gemacht. Der Linguistik-Student mit Walliser Wurzeln gehörte zu einer Baptistengemeinde, und wollte eigentlich Lehrer werden, bevor er wegen seiner Frau vor 19 Jahren zur Heilsarmee stiess. Sein Weg als Offizier führte in über ein Kinderheim der Heilsarmee, das ihm zum Lehrstück wurde, bis nach Winterthur. Dort leitet er nun die Gemeinde mit rund 150 Mitgliedern, die Salutisten oder Freunde der Heilsarmee genannt werden.

Als Offizier der Heilsarmee ist Daniel Imboden regelmässig auf der Strasse oder in Restaurants, um Traktate zu verteilen und zu singen. „Manchmal kommt man sich schon komisch vor, wenn man in einem Nobelrestaurant singen muss und die Leute eigentlich nur in Ruhe essen wollen.“ Doch die Erlebnisse mit Menschen seien eigentlich durchwegs positiv. Angepöbelt wurde er noch nie. Daniel Imboden lächelt gelassen, wenn er solche Geschichte erzählt. Er bevorzugt dennoch die Arbeit in der Gemeinde: Besuchsdienst, Seelsorge, Organisation des Seniorentreffs, Sonntagspredigt. Der Offizier liebt es für Predigten, einen Vers aus der Bibel auszusuchen und diesen von mehreren Seiten zu betrachten.

Der Mann, der seine dunkle Heilsarmeeuniform nur zu wichtigen Sitzungen, Predigten und zum Singen auf der Strasse trägt, mag es lieber bequem. In der Heilsarmee ist es während der Arbeit auch erlaubt, einen burgunderroter Pullover mit Heilsarmeesignet zu tragen. Und er trägt diesen oft, mit wenigen Ausnahmen:
„Im Seniorentreff trage ich manchmal die Uniform.“ Alten Leuten ist dieser Aufzug wichtig, der weiltweit einheitlich ist. Noch nie habe er es bereut, auf den Lehrerberuf verzichtet zu haben und der Heilsarmee beigetreten zu sein, meint Imboden. Sein Sprachstudium konnte er auch in der Heilsarmee anwenden. „Ich habe schon öfters an Kongressen einen General oder einen anderen hohen Offizier übersetzen können.“

Anlaufstellen und soziale Einrichtungen der Heilsarmee in Winterthur:

C.A.S.A. an der Wartstrasse 9 ist eine Anlaufstelle der Heilsarmee in Winterthur, die Kontakte zu Behörden, sozialen Einrichtungen oder kirchlichen Institutionen vermittelt.
Bei finanziellen Engpässen, in Sinnkrisen oder bei administrativen Fragen dürfen Menschen mit allen kulturellen sowie sozialen Hintergründen Unterstützung und Hilfe der Heilsarmee erwarten.

Das Wohnheim der Heilsarmee an der Wartstrass 40/42 bietet Männern und Frauen in schwierigen Lebenslagen einen Wohnort.